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UEMF (=Umschriebene Entwicklungsstörung motorischer Funktionen)


Die Schätzungen zur Prävalenz für UEMF reichen von 5 bis 20%. Berücksichtigt man nur die Kinder mit besonders auffälligen motorischen Störungen, die sowohl das soziale Zusammenleben als auch den schulischen Erfolg beeinträchtigen, spricht man von 5-6%. Jungen sind dabei häufiger betroffen als Mädchen (AWMFNr.022/017, 2011).
Obwohl so viele Kinder von UEMF betroffen sind beschreibt R. Blank die Problematik, dass UEMF in weiten Teilen des Gesundheitswesens und des pädagogischen Bereichs wenig bekannt ist, nicht ernst genommen wird oder über längere Zeit mit ineffizienten Verfahren behandelt wird (Blank, 2012).


Meistens wird UEMF von den Personen als erstes wahrgenommen die dem Kind am nächsten stehen, da z.B. Anziehen, Spielen, Basteln, Handschrift, sportliche Aktivitäten, … beeinträchtigt sind. Betroffene Kinder haben Mühe beim Treppensteigen, Springen, Hüpfen oder beim Ballfangen und – werfen. Roller- und Radfahren erlernen sie spät oder gar nicht. Das Hantieren mit Verschlüssen, Besteck, Konstruktionsmaterialien, das Puzzeln und viele alltäglichen Betätigungen sind für diese Kinder schwierig.

Insgesamt sind Kinder mit UEMF bei vielen Betätigungen langsamer als Gleichaltrige. Wenn sie eine Fertigkeit erlernt haben, fehlt es ihnen an der notwendigen Geschwindigkeit und sie sind immer die Letzten. Eltern beschreiben ihr Kind oft als einen langsamen und sehr unordentlichen Esser oder es fällt ihnen auf, dass sie extrem viel Zeit zum An- und Auskleiden benötigen (Albers, 2016).

Ist die Störung nicht ganz so stark ausgeprägt, werden die Kinder oft erst im Kindergarten oder in der Schule auffällig, wenn die Anforderungen an gute Koordination und Timing steigen. Es besteht ein großes Risiko, dass sie im Sportunterricht schnell zu Außenseitern werden und sie unbeliebte Spielpartner sind. Im Kindergarten ist oft auffällig, dass die Kinder sehr ungern malen. Spätestens beim Erlernen der Schreibschrift stehen sie dann vor einer großen Hürde. Oft ist die Stifthaltung ungeschickt und kaum dynamisch (Albers, 2016).
Eine leserliche und zügige Handschrift ist aber bedeutsam für den Schulerfolg und kann daher große Auswirkungen auf die gesamte Schullaufbahn haben. Laut den UEMF Leitlinien besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Rechtschreibleistung und motorischer Schreibfähigkeit (AWMFNr.022/017, 2011).

Kinder mit motorischen Entwicklungsstörungen wissen nicht, worauf sie bei einer Bewegung achten müssen und entwickeln keine genaue Bewegungsvorstellung. Sie probieren nicht gezielt aus, können nicht bei anderen abschauen und finden selber keine geeigneten Strategien, da sie ihre Fehler nicht erkennen. Mehr „Üben“ hilft in ihrem Fall nicht, sondern verfestigt dabei ihre Fehler. Ohne gezielte Unterstützung tritt das Kind immer an der gleichen Stelle und kann seine motorischen Fähigkeiten nur mühsam weiterentwickeln und verliert nach einiger Zeit den Willen zu lernen (Becker, 2011).

 

Wird diese Störung nicht erkannt, kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen. Das Gefühl des Versagens quält das Kind und es wird frustriert (www.canchild.ca 2011).

Es besteht die Gefahr, dass das Kind in einen Teufelskreis gerät.

Abb.: Teufelskreis (Quelle: Taylor 1984, ergänzt und modifiziert Albers 2016, S. 342)Abb.: Teufelskreis (Quelle: Taylor 1984, ergänzt und modifiziert Albers 2016, S. 342)

Bei UEMF kann es sich um eine rein motorische Störung handeln, sie kann aber auch verbunden sein mit Begleitstörungen wie z.B.: Lernschwierigkeiten, Sprachauffälligkeiten, Lese-Rechtschreibstörung sowie Verhaltensstörungen wie Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Störungen im Sozialverhalten, Probleme mit dem Selbstbewusstsein sowie Adipositas. Ob die häufig vorkommenden emotionalen und sozialen Probleme komorbide Störungen sind oder bereits die Folge langjähriger negativer Erfahrungen mit „Tollpatschigkeit“ im täglichen Leben, kann nicht immer geklärt werden (AWMFNr.022/017, 2011).

 

In den Leitlinien für UEMF wird dem behandelnden Arzt empfohlen Kindern mit der Diagnose UEMF eine Therapie zu verschreiben, da es als evidenzbasiert gilt, dass bei valider Diagnose, Therapie grundsätzlich von Vorteil ist. Dabei soll besonders auch der Leidensdruck des Kindes, der Eltern und der Lehrkräfte berücksichtigt und ernst genommen werden (AWMFNr.022/017, 2011).

Bei Kindern ab 5 Jahren kann ein Arzt anhand genauer Diagnosekriterien die Diagnose UEMF feststellen. Ab 3 Jahren ist die Diagnosestellung nur in schweren Fällen möglich und sinnvoll.

 

Kriterium I:     Motorische Fähigkeiten sind erheblich unterhalb des Altersniveaus bei angemessenen Möglichkeiten zum Erwerb der Fähigkeiten
Kriterium II:   Beeinträchtigung der Aktivitäten des täglichen Lebens oder schulischer Leistungen (z.B. An- und Ausziehen, Essen mit Besteck, Schreiben, Spielaktivitäten, Gebrauch von „Werkzeug“ im  Sinn von Alltagsgegenständen eines Kindes)
Kriterium III:  Die Störung ist nicht allein erklärbar durch Intelligenzminderung, durch spezifische angeborene bzw. erworbene neurologische Störungen oder durch schwere Verhaltensstörungen (AWMFNr.022/017, 2011).

 

Sämtliche Informationen zu UEMF wurden aus den folgenden Quellen entnommen, dort finden sie auch viele weitere Informationen:

http://www.canchild.ca

http://www.uemf-gesellschaft.de/

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/022-017p_S3_Umschriebene_Entwicklungsstörungen_motorischer_Funktionen_2001-08.pdf

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/022-017.html

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/fileadmin/KiPra/Artikel_des_Monats/05_FB_01_Blank_Definition.pdf

 

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